Morsches Brett am Zwergenloch

Verkehrsminister erwägt Sprengung, Herbert Reul noch dagegen
Eigentlich sollte es ein ruhiger Tag im März für NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer werden. Doch am Ende reihte sich die Brücke am Zwergenloch in Scheel in eine lange Liste maroder Brückenbauwerke in NRW ein. Schuld daran ist ein morsches Brett im Belag der Brücke.

Doch was war passiert? Bei einer Anhörung im Landtag wurde der neue „Brückenmonitor“ vorgestellt. In Zusammenarbeit mit der RWTH Aachen hat die Industrie- und Handelskammer NRW 30 % aller Autobahnbrücken in NRW in die schlechtesten Kategorien eingeordnet. IHK-Präsident Ralf Stoffels betonte gegenüber ruhr24.de: „Das können wir uns nicht leisten.“ Er schätzt den wirtschaftlichen Schaden allein durch die Baustelle Rahmedetalbrücke auf 1,8 Milliarden Euro. Über 2000 weitere Brücken wurden NRW-weit überprüft, unter anderem in Scheel. Dabei wollen die
NRW-Politiker jetzt die lange Planungsphase vor einer solchen Sanierung verkürzen.

„Sie haben das von der Rahmedetalbrücke bei Lüdenscheid, oder auch von der Liedbachtalbrücke gehört. Die Brücke „Landeskroner Weiher“ bei Wilnsdorf ist die Nächste. Der Sanierungsstau ist so groß, da ist Sprengen und Neubau das Einfachste. Sonst sind wir in 10 Jahren noch nicht fertig!“
Äußerte sich der Verkehrsminister Oliver Krischer (Grüne) in der Anhörung. Etwas verhaltener reagierte NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU). „Ob die Sprengung am Waldrand wirklich nötig ist, müssen Fachleute vor Ort prüfen. Wir als Landesregierung werden uns da auf den Rat der Experten verlassen.“, so der Innenminister.


Tatsächlich hat sich das mittlerweile spontan gegründete Prüf- und Planungsbüro FischMann & Partner dem Problem angenommen. „Die Unterkonstruktion ist noch in einem guten Zustand, sagt mein Kollege Franz-Josef. Lediglich ein Brett hat den Winter nicht ganz überstanden.
Da scheint ein Austausch möglich und vor allem kostengünstiger als ein Neubau.“ So Manfred Fischer, geschäftsführender Gesellschafter des Planungsbüros. Auf die Frage hin, ob der Instandsetzungsauftrag
möglicherweise schon unter der Hand an die „Aktiv für Scheel AG“ vergeben worden sei, äußerte sich Fischer sichtlich pikiert: „Wir gehen streng nach Vorschrift vor. Bei Projekten in der Größenordnung müssen wir selbstverständlich ausschreiben. Europaweit.“

Rückenwind bekommt das Planungsbüro auch aus dem Lindlarer Rathaus: „Ich befürworte auch die Instandsetzung. Eine Sprengung zur Brutzeit ist für die heimische Fauna, gerade für die im Nestbau befindlichen Vögel, eine Katastrophe.“ Sagte Petric Newrzella, Leiter „Bauen, Planen, Umwelt und Denkmalschutz“ der Gemeinde Lindlar. „Nur mögen die Planer bei der Auswahl des Brettes bitte die immer schwerer werdenden E-Bikes am Neuenberg berücksichtigen. Das kann die Lebensdauer des Brettes aber auch der Brücke insgesamt stark verkürzen, wenn die Hobbysportler da von der Zwergenhöhle kommend mit den Bikes drüber brettern.“